Aktuelle Nachrichten aus der Kindernothilfe-Lobbyarbeit

Finanz- und Wirtschaftskrise darf Hilfsprogramme für Minenopfer nicht gefährden

Minenfeld AfghanistanzoomMinenfeld in Afghanistan. Foto: Großmann (Berlin, 03.04.2009) - Anlässlich des internationalen Tages zur Aufklärung über Minengefahren und Opferhilfe am 4. April 2009 warnt das Aktionsbündnis Landmine.de die internationale Staatengemeinschaft davor, vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise die Hilfe für Opfer von explosiven Kriegshinterlassenschaften zu vernachlässigen. Die Kindernothilfe ist Mitglied des Aktionsbündnisses.

„Es wäre fatal, wenn jetzt ausgerechnet Minenaktionsprogramme den milliardenschweren Rettungsaktionen für bankrotte Banken und Konzerne zum Opfer fielen", mahnt Thomas Küchenmeister vom Aktionsbündnis Landmine.de. „Gerade in den Ländern Afrikas, die zu den Verlierern der Weltwirtschaftkrise zählen und die vom Minenproblem am meisten betroffen sind, dürfen Kriegsopfer nicht doppelt bestraft werden, indem jetzt Minenaktionsprogramme reduziert oder gar gestrichen werden", warnt auch Jörn Kalinski von Oxfam.

Beispiel Afghanistan
Wie dringend notwendig die Hilfsprogramme nach wie vor sind, zeigt das Beispiel Afghanistan, wo in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 über 42.000 Antipersonenminen, 500 Antifahrzeugminen und 1,5 Mio. Blindgänger geräumt wurden, was das Land für hunderte Kommunen wieder nutzbar machte. Minen-Aufklärungsprogramme, die für die besonders gefährdeten Kinder überlebensnotwendig sind, erreichten in diesem Zeitraum laut UNO über 800.000 Afghanen.

Konzepte für Wiederaufbau in betroffenen Regionen
Das Aktionsbündnis Landmine.de fordert im Vorfeld der zweiten Revisionskonferenz der Ottawa Konvention in Cartagena, Kolumbien (30. November bis zum 4.Dezember 2009) eine Neuorientierung der humanitären Hilfe in Form umfassenderer Konzepte für Wiederaufbau und nachhaltiger Entwicklung. Diese müssen fest im sogenannten Cartagena Action Plan verankert werden. Auch die gerade beschlossene Verbotskonvention für Streumunition schreibt umfassendere Hilfsleistungen fest.

Soziale und psychische Folgen nicht aus dem Blick verlieren
„Es reicht nicht aus, lediglich einige technische „inputs", wie Minenräumung und Prothesenanpassung bereitzustellen", sagt François De Keersmaeker von Handicap International. „Wir müssen auch auf physische und psychische Verwundungen und sozialen Erschütterungen angemessen reagieren." Neben der Räumung explosiver Kampfmittel und der Opferhilfe müssen umfassendere Bemühungen um Rehabilitation in und von Nachkriegsgesellschaften angestrebt werden. Das Aktionsbündnis Landmine hat hierzu Leitlinien erarbeitet, die sog. Bad Honnef-Richtlinien, die Grundlage für Minenaktionsprogramme werden sollen.

Ban Ki-Moon: Würde der Überlebenden sichern
Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon betonte in einer Botschaft zum Internationalen Tag für die Aufklärung über Minengefahr, dass Minenaktionsprogramme über das bloße Entfernen von Minen hinaus für eine gefahrlose Umwelt für Zivilisten sorgen. Durch diese Programme werden lokale Kapazitäten wieder hergestellt und durch Reintegrations-Programme und die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten die Würde von Überlebenden gesichert.

Staaten verstoßen gegen Verpflichtungen
Derzeit sind etwa 500.000 Überlebenden von Minenunfällen auf Hilfe angewiesen, was in einer Vielzahl der betroffenen Länder nur unzureichend geschieht.
„Die Tatsache, dass Vertragsstaaten wie die Türkei und Griechenland das Minenverbot nicht respektieren, ist in keiner Weise hilfreich, um die gemeinsamen Anstrengungen zu intensivieren", beklagt Thomas Küchenmeister. Griechenland, Weißrussland und die Türkei z.B. haben ihre 4-Jahres-Frist zur Zerstörung vorhandener Lagerbestände zum 1.3.2008 nicht eingehalten. Der Nato-Staat Türkei lagert u.a. nach wie vor fast 1,5 Millionen deutsche Antipersonenminen und setzt diese auch ein, so z.B. an der Grenze zu Syrien wo immer noch riesige Minenfelder existieren.

Email-Kampagne - jetzt mitmachen!
Aktionsbündnis Landmine.de ist Mitglied der Internationalen Kampagne zum Verbot von Streumunition (CMC) und der Internationalen Kampagne zum Verbot von Antipersonenminen (ICBL). Über die Website http://www.landmine.de/ können seit dem 1.3.2009 alle Staaten, die das Minenverbot bislang nicht unterstützen per Email aufgefordert werden, dem Verbotsvertrag für Antipersonenminen beizutreten. Ein aktuelles Faktenblatt zum Thema steht unter der Adresse www.landmine.de/download/Factsheet-10-Jahre-Minenverbot.pdf zum download bereit.

Weitere Informationen:


Ansprechpartner
Thomas Küchenmeister, Leiter Aktionsbündnis Landmine.de, 030-32661681 / 0175- 4964082
François De Keersmaeker, Geschäftsführer Handicap International Deutschland 089-547606-0 / 0177-5563555

 


Copyright © 2013 Kindernothilfe e.V. - Alle Rechte vorbehalten.